Historie

Wie schon der Ortsname verrät, liegt die Gemeinde Aufhausen hoch über dem oberen Filstal am Rande des Albtraufs, dem Namen nach also die ‚oben (auf der Alb) gelegenen Häuser‘ vom Filstal aus betrachtet. Noch vor der ersten urkundlichen Erwähnung waren hier Römer und Alamannen ansässig. Aus frühgeschichtlicher Zeit stammend, fand man in Aufhausen römische Mauerreste und allerlei Gegenstände aus Bronze, Eisen, Glas und Ton. Alemannische Spuren fanden sich in Reihengräbern, die sowohl auf Erd- als auch auf Feuerbestattung deuten. Die Ditzenbacher Steige vom Filstal auf die Albhochfläche nach Aufhausen wurde bereits in dieser Zeit benutzt und war vor der Völkerwanderung von einem römischen Kleinkastell südlich von Deggingen gesichert. Seine erste urkundliche Erwähnung findet Aufhausen im Stiftungsbrief des Klosters Wiesensteig aus dem Jahre 861, worin vom Stifter dem neugegründeten Kloster der Zehnte von „Ufhuson“ als Ausstattung übergeben wird. In der Textübertragung der Urkunde heißt es:

‚Des weiteren übergebe und übereigne ich [Ruodolf, der Stifter] dem heiligen Cyriakus unwiderruflich den gesamten Zehnten von Mulenhuson und auch noch von Tizzenbah, von Ufhuson und von Marchelingen.‘

Den Namen „Ufhuson“ bekam die „oben liegende Ansiedlung“ wahrscheinlich erst im 7. Jahrhundert. Größere Bedeutung kam dem Ort bis ins Hochmittelalter zu, als bei Aufhausen Eisen aus Bonerz verhüttet wurde. Während dieser Zeit gehörte der Ort zur Herrschaft der Grafen von Helfenstein und war Teil des Wittums der Herzogin Maria von Bosnien, Witwe Ulrichs X. von Helfenstein, von dem sie ihren Lebensunterhalt bestritt. Bereits 1396 wurden Teile der Grafschaft wegen permanenten Geldmangels der damaligen Reichsstadt Ulm überlassen und nach dem Tode Marias 1405 kam der Ort endgültig in deren Besitz. So bildete Aufhausen bis 1695 ein ulmisches Amt, wurde dann dem Amt Überkingen zugeschlagen und gehörte ab 1753 zum Amt Nellingen.

Die Christianisierung erfolgte hierzulande im 7. Jahrhundert. Damit begann auch der Bau von Kapellen, Kirchen und Klöstern. Aus kirchlicher Sicht war Aufhausen ursprünglich „Filial“ von Deggingen und 1353 wird erstmals die Kapelle zu „Unserer lieben Frau“ erwähnt, vermutlich eine Feldkapelle, die als Frühmesskapelle benützt wurde. 1393 stiftete Herzogin Maria von Bosnien, die ihren Alterssitz auf der nahe dem Ort gelegenen Burg Bühringen über Überkingen (Gemarkung Türkheim) hatte, aus ihren Gütern eine immerwährende Kaplanei. Im 14. Jahrhundert wurde dann die jetzige Kirche als Marienkirche gebaut – zur gleichen Zeit wie das Münster in Ulm 1377.

1531 wurde von Ulm die Reformation durchgeführt. In der 1584 baulich veränderten Kirche wurden Fresken freigelegt, die aus der 2. Hälfte des 15. Jahrhunderts stammen. Am 14. Juni 1616 wurde Anna Übelhör, des Jörgen Millers Witwe von Aufhausen, in Ulm wegen ‚verdächtigen Hexenwerks und Zauberei‘ lebendig verbrannt.

Am 30. August 1801 kam großes Unglück über Aufhausen. Binnen zweieinhalb Stunden brannten 63 „Fürst“ (Gebäude) ab und „34 Familien waren ohne Obdach, ohne Nahrung, die meisten ohne Kleidung und alle im erbarmungswürdigsten Zustande“. Aus früheren Zeiten ist außer der Kirche nur noch die „Zehntscheuer“ erhalten.

Mit dem Reichsdeputationshauptschluß und nach der Mediatisierung der Reichsstädte kam Aufhausen zusammen mit Geislingen 1803 an Bayern und 1810 an Württemberg. Ab 1815 bekam Aufhausen eine eigene „Schultheißerei“. In der Oberamtsbeschreibung von 1842 steht über die Gemeinde: ‚Der weitläufig angelegte neugebaute Ort zählt 67 Wohn- und 31 Nebengebäude, welche meist einstockig und mit Stroh gedeckt sind; die Lage ist hoch und gesund. Die Einwohner sind ziemlich wohlhabend und nähren sich vom Ackerbau; es gibt hier auch einige Weber.‘

1881 wurde Aufhausen an die Albwasserversorgung angeschlossen und die Freiwillige Feuerwehr wird durch eine Zwangsfeuerwehr abgelöst. Auch Vereine und Genossenschaften entstanden. 1890 erfolgte die Gründung des Militär- und Veteranenvereins. 1894 wurde die Molkereigenossenschaft zur besseren Verwertung und Vermarktung der Milch, 1904 wird der Darlehenskassenverein, 1908 der Radfahrverein und 1910 der Ortsviehversicherungsverein gegründet. 1910 wurde mit dem Bau des neuen Schul- und Rathauses (heutiges Rathaus mit Vereinsraum) nördlich des ehemaligen Molkereigebäudes begonnen. Der Neubau sollte ursprünglich in der ehemaligen „Hüle“ erstellt werden. 1911 schließt sich der Ort dem Alb-Elektrizitätswerk Geislingen an. Seit dem 1. März 1925 ist der Gesangverein Aufhausen ein selbständiger Verein. Bis 1938 gehörte die Gemeinde Aufhausen zum Oberamt Geislingen und danach als eigenständige Gemeinde bis 1974 zum Kreis Göppingen.

Zwischen 1955 und 1964 wurde eine Flurbereinigung durchgeführt. Von ursprünglich 2900 Flurstücken wurden letztlich 1000 Parzellen zur Zuteilung geschaffen. Im Zuge der Flurbereinigung entstehen die „Wannenhöfe“ – vier Aussiedlerhöfe auf Gemarkung Aufhausen und vier auf Gemarkung Deggingen, die „Erdgrubenhöfe“.

Bis dato wurden in der „Unterschule“ die Schuljahrgänge eins bis vier und in der „Oberschule“ die Jahrgänge fünf bis acht jeweils in einem Raum von je einem Lehrer gemeinsam unterrichtet. Zur Beseitigung der Schulraummisere wurde auf dem „Lauch“ ein neues Schulhaus mit drei Klassenzimmern und Nebenräumen gebaut und im Jahr 1960 seiner Bestimmung übergeben. Zwischenzeitlich um ein Stockwerk mit zusätzlich drei Klassenzimmern erweitert, ist die Schule heute Grundschule für die Kinder aus Türkheim und Aufhausen. Die Volksschule verschwand, 1965 wurde das 9. Schuljahr eingeführt und die weiterführende Schule – jetzt Hauptschule genannt – wurde Geislinger Schulen zugeordnet.

Die Ortskanalisation wurde 1962 begonnen und damit einhergehend durchgängig alle Ortsstraßen neu gestaltet, Gehwege gebaut und die Straßenbeleuchtung grundständig erneuert. 1966 wurde die mechanisch-biologische Kläranlage seiner Bestimmung übergeben. Im gleichen Jahr wurde auf der höchstgelegenen Flur Duchstetten (786 Meter ü. NN) nach vierjähriger Bauzeit das weithin sichtbare und heutige Wahrzeichen des Ortes, der 148 Meter hohe Polizeifunkturm, eingeweiht. Als Fernmeldeturm der Polizei für die Öffentlichkeit leider nicht zugänglich. Vom nahe dem Turm gelegenen und erst vor kurzem gänzlich neu gestalteten Grillplatz genießt man an klaren Tagen einen großartigen Blick bis zu den Alpen.

Zu Beginn der 1970er Jahre ist die Gemeinde in das Blickfeld einer breiteren Öffentlichkeit geraten, als südlich des Orts eine Höhle mit gut erhaltenen Resten eiszeitlicher Tiere (Mammut, Nashorn, Wisent, Riesenhirsch, Rentier, Wildpferd, Löwe, Hyäne, Eisfuchs, Schneehase, Vögel, Nagetiere) entdeckt wurde. Die Aufhausener Höhle ist ein äußerst eindrucksvolles Beispiel dafür, wie es durch die Verkarstungsvorgänge der Alb zur Entstehung und Erhaltung vorzeitlicher Tierfriedhöfe gekommen ist. Die diluvialen Tierknochenfunde aus der Höhle sind nach wie vor von besonderer wissenschaftlicher Bedeutung.

Im Zuge der Verwaltungsreform wurde die bis dato selbständige Gemeinde zum 1. Januar 1975 als Ortsteil in die Große Kreisstadt Geislingen an der Steige eingegliedert. Aufhausen ist der am höchsten gelegene Stadtbezirk, sozusagen das „Dach“ der Fünftälerstadt. Obwohl jetzt städtisch, hat es die Gemeinde verstanden, ihre eigenständige dörfliche Identität zu bewahren. Heute leben in Aufhausen rd. 940 Einwohner.

Seit der Zugehörigkeit zur Stadt Geislingen als Stadtbezirk hat sich der Ort in den letzten 40 Jahren ständig, wenn auch nicht mehr ganz so „rassant“ wie Jahre zuvor, weiterentwickelt, folgende Aufzählung verdeutlicht dies: Bau des neuen Kindergartens auf dem Lauch (1980) – heute in Trägerschaft der Evangelischen Kirchengemeinde Aufhausen – , grundständige Sanierung der Gymnastikhalle mit Umbauten und Erweiterungen um Dusch- und Umkleideräume, Vereinsräumen (SVA-Sportheim) und neuer sanitärer Einrichtungen sowie Bau eines neuen Sportplatzes unter finanzieller Beteiligung des Sportvereins Aufhausen, Erweiterung des Friedhofes und Umgestaltung der Aussegnungshalle, grundständige Sanierung des Rathauses mit Einbau einer Zentralheizung und Schaffung des Vereinsraumes für alle kulturtragenden Vereine des Stadtbezirks, Abwasserkanal nach Bad Überkingen zur Ableitung der Abwässer in die Sammelkläranlage nach Geislingen, Abbau der alten Kläranlage und Rekultivierung des Geländes. Aufstockung des Schulhauses.
Mit der Ausweisung verschiedener Baugebiete „Auf dem Lauch“, „Hausener Weg“, „Degginger Weg“ und „Alpenblick“ konnten in den letzten 40 Jahren viele Aufhausener und auch Auswärtige ihren Wunsch nach einem eigenen ‚Häuschen‘ verwirklichen.
Mit der Aufnahme in das Entwicklungsprogramm ländlicher Raum (ELR) konnten in den letzten Jahren verschiedene Projekte zur Verbesserung der Wohnqualität im Dorf umgesetzt werden bzw. stehen jetzt kurz vor der Vollendung. Neugestaltung des „Engelplatzes“ und Ausbau der Ortsdurchfahrt mit Einbringung der Breitbandverkabelung sind bereits realisiert. Die Breitbandversorgung – schnelles Internet – ist im Stadtbezirk derzeit noch nicht realisiert. Zur Zeit werden Leerrohe und Glasfaserkabel zum Backbone entlang der Drackensteiner Straße verlegt.
Der Dorfladen geht am 11.11.2017 in den umgebauten Räumen der ehemaligen Volksbank-Filiale an den Start.
Die verschiedenen Vereine und Vereinigungen tragen mit ihren Aktivitäten einen Großteil zum gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenleben auf dem Dorfe bei. Der größte Wunsch aller Aufhauser Vereine auf eine geeignete Sport- und Festhalle konnte bisher aufgrund fehlender Finanz- und Fördermittel nicht realisiert werden. Aber was noch nicht ist, kann ja noch werden. Derzeit ist läuft das Planungs- und Genehmigungsverfahren zum Bau einer Sport- und Mehrzweckhalle auf dem Lauch.

Verfasser: Helmut Wörz
Quelle:
  • http://www.aufhausen-1150.de/4.html
    Hartmut Gruber, Stadtarchiv Geislingen (2011)
  • Festschrift anlässlich des 75jährigen Jubiläums des Gesangvereins Liederkranz Aufhausen
    Helmut Wörz, Vorsitzender Liederkranz Aufhausen (2000)