Gemeinde Aufhausen

Dorf-Laden aktuell

Öffnungszeiten: 
Mo – Fr    6:30 – 12:30 h,  15:00 – 18:30 h
Samstag  6:30 – 12:30 h
Sonntag   8:30 – 9:30 zur Abholung bestellter Backwaren

*******************************************

Aktionswoche ab Donnerstag, 26.11.2020

*******************************************

Gewachsen in der Krise

GZ 14.04.2020 von Jochen Weis
Wie schlägt sich ein Dorfladen in der Corona-Krise? „Unser Laden in Aufhausen hat an Bedeutung gewonnen“, sagt Geschäftsführer Ludwig Kraus.

Aufhausen – Dorfladen

Ganze 15 Jahre lang hatten die Aufhausener keine Möglichkeit mehr, Dinge des täglichen Bedarfs im Ort einzukaufen – bis vor zweieinhalb Jahren der Dorfladen eröffnet hat. Ein Bürgerprojekt, organisiert als Unternehmer-Gesellschaft (haftungsbeschränkt) mit 224 Anteilseignern. Schon im Vorjahr hat der Dorfladen die schwarze Null geschafft. Da hatte noch niemand auf dem Zettel, welch stürmischen Zeiten die Welt entgegenläuft. Nun, in der Corona-Krise, ist der Laden im Steinboß eine wichtige Anlaufstelle für die Bevölkerung.
 „Es sind schon seit Wochen mehr Kunden da als gewöhnlich, ältere wie jüngere. Da hat man schon gemerkt: Viele fahren nicht mehr so oft nach Geislingen, sondern decken sich vor Ort ein“, sagt Ludwig Kraus, ehrenamtlicher Geschäftsführer des Dorfladens: „Das hat man vor allem daran gemerkt, dass Waren, die sonst nicht so gut laufen, nun nachgefragt worden sind.“ Das Gros der Kunden kommt natürlich aus Aufhausen, aber auch aus den Nachbarorten.

Wobei es selbst am Anfang, als die Hamsterkäufe begannen, in Aufhausen noch recht gesittet zugegangen sei, wie Kraus betont. „Klar war da die Angst vor einer drohenden Ausgangssperre spürbar. Da wurde mehr gekauft, aber einem nicht alles aus der Hand gerissen“, sagt Kraus. Auffällig sei gewesen, dass in diesen Tagen gänzlich unbekanntes, offensichtlich auswärtiges Klientel in den Laden gekommen war, „weil da rumging, in Aufhausen gibt es noch Zucker, Mehl und Toilettenpapier“. Nun aber habe sich die Lage beruhigt, berichtet Kraus. „Die Leute haben erkannt: Der Dorfladen ist ja jeden Tag da, dort kann ich ja jeden Tag einkaufen gehen.“ Die vergangenen Wochen schlagen sich auch im Umsatz nieder, der lag zuletzt um etwa 20 Prozent höher als gewöhnlich.

Irgendwelche Einschränkungen bei der Belieferung respektive vonseiten der Lieferanten seien nicht zu spüren gewesen, sagt Kraus. „Im Prinzip läuft das bei uns ganz ähnlich ab wie in den Supermärkten, der Unterschied liegt allein in der Menge. Und da haben wir keine Nachteile.“ Beispiel Toilettenpapier: „Da bekommen wir einen kleineren Bestand, also nicht die Menge, die wir bestellen. Aber das trifft andere genauso“, erklärt Kraus. Zuletzt habe es Engpässe beim Mehl gegeben, „da stehen wir ja auch nicht alleine da. Aber die Situation wird aktuell schon wieder besser“, betont Kraus: „In diesem Zusammenhang muss ich ausdrücklich unsere Kundschaft loben: Die haben viel Verständnis dafür, wenn etwas nicht da ist“.
Zumal die Verantwortlichen „mit Augenmaß bestellen“, weil der Dorfladen seine Sachen nicht auf Kommission ordert. Sprich: Alles, was nicht verkauft wird, verursacht Verlust. „Bei einem Warensortiment von 3000 Artikeln müssen wir da also sehr umsichtig vorgehen.“ Als Stärke in der Krise zeige sich nun das Konzept der Regionalität, sagt Kraus. Nur drei Grossisten beliefern den Dorfladen, aber 18 Händler und Betriebe aus der Region. Eigentlich dazu gedacht, sich von der Supermarkt-Konkurrenz abzuheben, hätten sich diese regionalen Produkte – Backwaren, Wurst, Eier, Gemüse und so fort – nun erst recht als Pfand für den Betrieb des Dorfladens entpuppt.
„Die Lieferketten funktionieren problemlos, die Kunden schätzen diese Produkte ohnehin, was steigende Umsatzzahlen zeigen“, sagt Kraus, „zuletzt mussten unsere Mitarbeiter an der Theke aber richtig powern.“

Stichwort Mitarbeiter: Für die hat die Epidemie wie andernorts Veränderungen bei der Arbeit mitgebracht. Sie sind an der Kasse geschützt durch einen Spuckschutz, die ehrenamtlichen Einräumer kommen nun in der Mittagspause des Ladens statt am Morgen, „damit wird direkter Kundenkontakt und damit Ansteckungsgefahr vermieden“, sagt Kraus. Und die Kundschaft muss hinter Abstandsmarkierungen warten, bis sie bedient wird oder an der Kasse zahlen kann – „ wie in jedem Supermarkt auch“.

Ob 2020 das erste Jahr wird, in dem der Dorfladen Gewinn schreibt, der dann zur Rücklagenbildung verwendet wird, muss sich weisen. „Es wäre vermessen, so etwas zu prognostizieren, wir wissen ja nicht, wie sich die Lage übers Jahr entwickelt, ob die Umsätze irgendwann sogar schrumpfen“, sagt Kraus. Eines habe sich aber gezeigt: Die Aufhausener hätten den Dorfladen längst angenommen. „Dass ein solcher Laden wichtig ist für die Nahversorgung, war uns klar, sonst hätten wir das Projekt nicht gestartet sagt Kraus, „dass er nun diese Bedeutung bekommt,  das hat wohl niemand gedacht.“